aktualisiert am 23. März 2015

Paper Press Studienreisen ® eingestellt

Paper Press Studienreisen ® war ein Projekt des Paper Press Vereins für gemeinnützige Pressearbeit in Berlin e.V., der 1979 als Trägerverein für den bereits seit 1976 erscheinenden „Jugendpolitischen Pressedienst PAPERPRESS“ gegründet wurde. Von Anfang an hatte der Verein zwei Standbeine: Die Publikation und die Durchführung von verschiedenen Bildungsreiseprojekten für Jugendliche und Erwachsene. Seit 2000 führte der Verein ausschließlich Gedenkstättenfahrten durch, die meisten davon in Kooperation mit dem SPD-Landesverband Berlin.

2011 hat der Paper Press e.V. beschlossen, seine Reiseaktivitäten in diesem Jahr einzustellen. Vom 8. bis 12. September 2012 fand die letzte Gedenkstättenfahrt nach Wien, Linz und Mauthausen mit 55 Teilnehmer/innen statt.

In 33 Jahren führte Paper Press Studienreisen ® 281 Projekte mit exakt 7.200 Teilnehmer/innen an 2.063 Tagen durch.

Hier die Projekte im Einzelnen:

62 ehrenamtliche Projektleiterinnen und Projektleiter haben die Reisen begleitet und an der Vor- und Nachbereitung mitgewirkt.

Die Geschäftsführung und Koordination für den Bereich der Studienreisen hatte von Anfang an Ed Koch inne, Mitbegründer und Herausgeber der seit 1976 erscheinenden Publikation PAPERPRESS, und Mitbegründer und bis heute Vorsitzender des Paper Press e.V. (www.paperpress.org – www.about-edkoch.de)

Begonnen hatte alles im Jugendclub Bungalow am Mariendorfer Damm 123. 1970 übernahm Koch die Leitung des Jugendclubs. Schon bald trafen sich Jugendliche aus den umliegenden Schulen im Bungalow, vor allem der Dag-Hammarskjöld-Realschule, die mehr wollten, als nur Tischtennis zu spielen und an Feten teilzunehmen bzw. diese zu organisieren. Im Bungalow fanden Ausstellungen, Filmfestivals, Diskussionsveranstaltungen zu verschiedenen Themen und mit Prominenten aus Politik und Kultur statt. Zum besonderen Anliegen wurde den Jugendlichen die Aufarbeitung der Geschichte ihres Bezirks. Daraus entstanden 1980 die Antifaschistischen Standrundfahrten mit den Zeitzeugen Wolfgang Szepansky und Emil Ackermann. Das Konzept der Rundfahrten erarbeitete federführend Uwe Januszewski, der bis 2009 65 Rundfahrten begleitete.

1979 wechselte Ed Koch vom Jugendclub Bungalow in das Jugendfreizeitheim Mariendorf an der Kurfürstenstraße. Die an der inhaltlichen Arbeit interessierten Jugendlichen zogen mit ihm um.

Aus der Arbeit an der Aufarbeitung der Deutschen Geschichte im so genannten Dritten Reich heraus entstanden die Gedenkstättenfahrten. 1979 fand die erste Fahrt nach Dachau bei München statt, sie war auch gleichzeitig Projekt Nr. 1 des Vereins.

Durch den engagierten Lehrer Jörg Brandauer der Dag-Hammarskjöld-Realschule entwickelten sich seit 1981 die Deutschlandpolitischen Seminare in Bonn und Umgebung. In den Seminaren wurden die beiden politischen Systeme der DDR und BRD analysiert. Im Rahmen der Seminarfahrten fanden auch zahlreiche Begegnungen mit prominenten Bundespolitikern wie Hans-Jochen Vogel, Annemarie Renger und anderen statt.

1979 lernte Ed Koch beim Internationalen Jugendcamp des Jugendamtes Tempelhof auf Schwanenwerder Agnes Helgesen aus Rena in Norwegen kennen. 1980 fand die erste Reise von Jugendlichen nach Rena statt. Bis 1995 (ab 1992 vom CPYE e.V. organisiert) fanden regelmäßig Fahrten in den hohen Norden statt und empfing man in den Sommerferien Jugendliche aus Rena in Berlin.

Ein Jugendlicher, der als Redakteur bei PAPERPRESS ehrenamtlich tätig war, Mathias Nitschke , ging 1984 für ein Jahr in die USA. Es verschlug ihn in den kleinen Ort Marion im Bundesstaat Kansas. Bereits ein Jahr später reiste die erste Gruppe zu einem Familienaufenthalt in die USA, wobei die Jugendlichen auch Station in New York, Washington D.C. und Chicago machten. Bis 2001 fanden die Reisen nach Marion regelmäßig statt. 1991 lernte man in Marion Zach Brooks kennen, der die Berliner zu sich nach Ken Caryl, einem Vorort von Denver, einlud. 1992 fand die erste Reise dorthin, schon unter der Regie des CPYE e.V. statt. 1988 wurde der CPYE e.V., zuerst lediglich als Förderverein, gegründet, der 1992 die Fahrten vom Paper Press e.V. übernahm. Ed Koch und Bernd Puhlmann sind die Gründungsvorsitzenden des CPYE e.V., der 2013 sein 25-jähriges Jubiläum feiern wird. Ed Koch ist vor einigen Jahren aus dem Vorstand ausgeschieden, Bernd Puhlmann wird 2013 ohne Unterbrechung ein Vierteljahrhundert Vorsitzender des Vereins sein.

Ed Koch: „Ich bin sehr froh, dass die Internationalen Jugendbegegnungsreisen in die USA durch den CPYE e.V. fortgesetzt werden. Was die Reiseaktivitäten des Paper Press e.V. anbelangt, die seit 2000 allein aus dem Angebot der Gedenkstättenfahrten bestanden, so ist meines Erachtens jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, um damit abzuschließen. Gedenkstättenfahrten sind keine Vergnügungsreisen. Ich habe an fast allen Fahrten teilgenommen und unzählige Kränze in den Gedenkstätten niedergelegt. Wer glaubt, dass man bei 64 Gedenkstättenbesuchen abstumpft und einen das alles nicht mehr berührt, der irrt sich. Jeder einzelne Besuch ist eine emotionale Herausforderung. Auch nach 100 Besuchen wird man nicht begreifen können, warum unschuldige Menschen auf bestialische Weise ermordet werden mussten, nur weil sie in der kranken Ideologie eines Wahnsinnigen und seiner Helfer keinen Platz hatten.

Ich hoffe sehr, dass andere Vereine und Organisationen Fahrten zu den Gedenkstätten in Deutschland, vor allem in Polen, der Tschechischen Republik und anderen Orten in Europa weiterhin anbieten werden. Es darf nie einen Schlussstrich unter dieses Ka pit el der Deutschen Geschichte geben.

Die SPD hat sich seit Harry Ristock um die Gedenkstättenfahrten sehr verdient gemacht. 1995 haben wir mit Michael Müller die erste Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz gemeinsam angeboten. Später dann, als er Vorsitzender der Berliner SPD wurde, hat er uns die Durchführung der Fahrten für den Landesverband übertragen. Die Fahrten waren immer offen für alle Interessenten, unabhängig von einer Mitgliedschaft in der SPD. Sonst wären wir diese Kooperation nicht eingegangen.

Und damit keine Legenden entstehen. Die Entscheidung, im September 2012 die letzte Fahrt durchzuführen, ist 2011, lange vor dem Vorsitzwechsel in der Berliner SPD gefallen.

Ich danke an dieser Stelle allen, die an der Planung und Durchführung der 281 Reiseprojekte ehrenamtlich beteiligt waren. Ein Teil des Bundesverdienstkreuzes, das ich 2006 für meine ehrenamtliche Arbeit bekommen habe, gebührt auch all denen, die an den Projekten mitgearbeitet haben. Von vielen der 7.200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern weiß ich, dass ihnen unsere Reiseprojekte etwas gebracht haben, an neuen Erkenntnissen, am Kennen lernen anderer Länder, Menschen und Kulturen.“

Die Publikation PAPERPRESS, das mag viele freuen und hoffentlich genauso viele ärgern, wird weiterhin erscheinen.

Chris Landmann , ehem. Vorstandssprecher des Paper Press e.V.